Dienstag, 26. Februar 2008

Die kleinen Unterschiede

Dass Bolivien eine komplett andere Welt ist habt ihr ja sicherlich schon feststellen koennen. Es sind aber vor allem die kleinen Sachen, die einem immer wieder verdeutlichen, dass man sich gerade am anderen Ende der Welt befindet.
Ich hab mir mal Gedanken gemacht und eine Liste genau dieser Unterschiede zusammengestellt.
1. die permanente Unpuenktlichkeit: Eigentlich nichts neues, ist mir aber Gestern wieder ganz deutlich aufgefallen. Hatten gestern von 7-8 ein Besprechungsreffen wegen der Diablada und
die letzten kamen tatsaechlich um viertel vor 8.
2. Die Buergersteige: Hier kann man wirklich nicht einfach gedankenlos umherlaufen, denn dann kann es sein dass man auf einmal in irgendein ziemlich tiefes Loch stuerzt (wenn ueberhaupt
Buergersteige vorhanden sind!)
3. Die Strassen: Ueberqueren der Strassen ist jedesmal ein Risiko, da es sowas wie Ampeln oder
Zebrastreifen entweder nicht gibt oder nicht beachtet wird. Immer wieder ein Abenteuer! Ausserdem haben einige Strassen hier so eine extreme Steigung, dass man wirklich fuerchten muss, ob man ueberhaupt da hoch kommt mit dem Auto.
4. "Taxis": Als oeffentliche Verkehrsbewegungsmittel gibt es innerhalb von La Paz Radiotaxis, Taxis, Trufis, Minibusse. Diese vier Fahrzeugarten praegen hier hauptsaechlich das Strassenbild. Ich nehm meistens das Radiotaxi, dass man an der Strasse ranwinken oder auch anrufen
kann. Die laengste Fahrt kostet 1.40€ und die sind die sichersten. Normale Taxis sollte man nicht nehmen, da das Risiko, ausgeraubt oder beschissen zu werden, sehr gross ist. Minibusse und Trufis sind so ungefaehr das gleiche nur das Trufis Autos sind und keine Busse. Sie fahren bestimmte Strecken ab und man kann ein- und Aussteigen wo man will. Sehr billig, kann man aber nur nehmen wenn man sich auskennt, weswegen die fuer mich meistens wegfallen. Es ist uebrigens nichts seltenes wenn ein Taxifahrer mal betrunken ist. Hab ich schon 3 mal mitbekommen dass unserer Betrunken war...wir haben aber nur irgendwie einmal das Taxi gewechselt... :-O
5. Privatautos: Bolivianer an sich stehen auf alte VW-Kaefer oder Jeeps. Ich schaetze wirklich, dass 80 prozent Jeeps oder Kaefer sind. Jeeps kann man sich bei den so krass ansteigenden
(Holper-)Strassen hier erklaeren, aber Kaefer??
6. Parties: Hausparties hier sind mit denen in Deutschland nicht zu vergleichen. Wenn hier jemand ne Party schmeisst, dann ist das Haus offen fuer jeden, der davon weiss und kommen moechte. Sowas wie Beschraenkte Personenzahl gibt es nicht. Man bezahlt keinen Eintritt oder bringt auch nix mit (auch keine Geschenke zu Geburtstagsparties, wenn es nicht gerade der beste Freund ist) und die Angestellten arbeiten. 70 Leute ist nicht viel!Sowieso ist alles ganz aufwaendig und jedes Wochenende gab es bis jetzt irgendwo Parties!
7. Schoenheitswahn: Der ist hier schon ganz schoen ausgepraegt. Vor allem das Schoenheitsideal bei den Maedchen ist hier sehr wichtig! Die meisten sind ganz duenn und meckern trotzdem darueber, dass sie zu dick sind und mindestens zwei Maedchen aus meinem Jahrgang hier haben schon mit 16 ne Schoenheits-op hinter sich. Eine hat sich Fett absaugen lassen und eine hat sich die Nase verkleinern lassen...
8. Essen: Das ist wirklich etwas ganz anderes hier. In meinem Haus gibt es eigentlich nur am Wochenende Fleisch, weil meine Gastmama und -oma Vegetarierinnen sind. Ansonsten (also in anderen Familien) wird hier wahnsinnig viel Fleisch gegessen. Ganz Americanlike, trinkt man hier staendig Cola und es gibt eine Menge exotische Dinge (wie zum Beispiel Rinderherz
am Spiess oder schwarze Kartoffeln), die mal mehr oder mal weniger lecker sind ;-) Im grossen und ganzen mag ich die Bolivianische Kueche aber ganz gerne!
9. Fruehstueck: ist ne extra Kategorie, da ich das Fruehstueck von zuhause schon ziemlich vermisse. Besonders Frischmilch, denn hier gibts immer nur so mit Wasser gekochtes Milchpulver. Dazu immer nur so ne Art Hamburgerbroetchen...naja dafuer ist aber der immer frisch gemachte Saft aus allen moeglichen Fruechten wahnsinnig lecker :D
10. Angestellte: Hab ich ja schon was zu geschrieben. Es ist einfach wahnsinnig komisch, wenn da jemand ist der fuer einen arbeitet! Man braucht den Tisch nicht decken, wird bedient und so. Ich habe mich immer noch nicht dran gewoehnt.
11. Autofahren: Macht hier irgendwie jeder der will und sollte man mal erwischt werden drueckt man der Polizei 50 Bolis (nicht mal 5 euro) in die Hand und weiter gehts.
12. Strassenkinder: Auch wenns hier ne Menge "Reiche" gibt, die das nicht wahrhaben wollen, hier gibt es viele, die nix haben und auf Strasse leben und Arbeiten...
13. Wetter: Ich habe selten etwas so wechselhaftes erlebt. Von knalliger Sonne zu kalt und mega Gewitter...das ist hier keine Seltenheit.
14. Tanzen: Bolivianer koennen im Durchschnitt definitiv besser tanzen als Deutsche...und tun es auch viel mehr :) Sind generell irgendwie viel Herzlicher, Koerperkontaktbetonte und lockerer, die Bolivianer!
15. Haeuser: Die Haeuser in der Zona Sur (einer der 3 Teile von La Paz, in dem die wohlhabenderen leben) sind fast alle richtig gross und zT richtige Villen mit riesigen Gaerten! ausserdem alle von ganz hohen Zaeunen, die schon eher Mauern sind umgeben. Es gibt hier auch wie in Amerika so eingezaeunte Wohnungen, wo man nur mit Codewort oder so reinkommt. In allen Strassen gibt es kleine Wachhaeuschen mit Waechtern, die auf die Haeuser aufpassen.

Sooo Leute, ich koennte das noch unendlich weiter machen, muss aber jetzt los und ein bisschen Sport machen :)
Vielleicht fuehr ich das bei Gelegenheit mal fort!!!
Machts gut, Eure RIKA